Luxuriöses Campieren

veröffentlicht am 25.05.2016

 

Glamping ist Camping mit Glamourfaktor. Die Gäste schlafen in Beduinenzelten, futuristischen Halbkugeln oder Zirkuswagen. Auch in der Schweiz gibt es solch spezielle Übernachtungsmöglichkeiten.

Wer morgens im Safarizelt auf dem Campingplatz in Zürich-Wollishofen erwacht, hat den frischen Geruch von Zürichseewasser in der Nase. Man hört die Taue an die Masten der Segelboote schlagen, die unweit vom Ufer vor Anker liegen. Es klingt wie entferntes Bimmeln von Kuhglocken. Liegt man im weichen Doppelbett unter einem warmen Duvet und blickt zum Zeltdach hoch, sieht man die Schatten der Baumblätter spielen. Schwingt man schliesslich die Beine aus dem Bett, setzt man die Füsse auf einen Teppich. Auf einer Seite im Zelt steht ein Sofa, gegenüber ein Tischchen mit Spiegel. Es ist beinahe wie in einem Hotelzimmer, aber mit einer Extraportion frischer Luft.

Die sechs Safarizelte auf dem Campingplatz am Seeufer in Wollishofen sind begehrt. «Die ganze High Society von Zürich sitzt da drin», sagt der Unternehmer Michel Péclard und strahlt. Ex-Diplomatengattin Shawne Fielding gefällt es im Zelt, Geschäftsmänner übernachten mit ihren Kindern, wenn ihre Frau nicht zu Hause ist. Aber auch Besucher der Street Parade leisten sich den Aufenthalt im Luxuszelt.

Péclard ist in Zürich bekannt für seine ungewöhnlichen Restaurantprojekte, für seinen Elan und seine gute Laune. Er richtete etwa ein Restaurant in einer stillgelegten Tramstation ein und ersann das Restaurant Kiosk am Seebecken. Als er 2008 den Campingplatz übernahm, krempelte er den Betrieb um. Die Standplätze am See verlegte er. Dort können nun Reisende ihre kleinen Zelte aufschlagen oder eben verschiedene Glampingangebote nutzen. Neben den Safarizelten gibt es einen umgebauten amerikanischen Wohnwagen, ein Chalet und ein Zelt, das einer Hängematte gleich zwei Meter über Boden zwischen die Bäume gespannt wurde. Aus dem Laden neben der Rezeption hat Péclard ein Geschäft gemacht, das regionale Produkte, lustigen Krimskrams und spezielle Andenken verkauft. In der ehemaligen Pächterwohnung hat er das Büro eingerichtet, von dem aus er sein Unternehmen und die verschiedenen Restaurants steuert.

Seiner Meinung nach ist es der beste Ort für ein Büro überhaupt. Er strahlt wenn er sagt: «Vor der Arbeit paddle ich mit dem Surfbrett eine Runde auf dem See, am Feierabend kann ich schwimmen gehen und den Zmittag esse ich im Fischers Fritz, dem Restaurant auf dem Platz.» Der Unternehmer erklärt, am liebsten würde er auf seinem Campingplatz wohnen. Und drei Monate lang hat er das auch getan, «das war eine grossartige Zeit», meint er. Damals lebte er im Chalet, von dessen kleiner Veranda er auf den runden Hafen blicken konnte, in dem Pedalos dümpeln und das Boot von Fischer Gerny vertäut ist.

Adrian Gerny ist Péclards Ruf nach Wollishofen gefolgt, fischt im Zürichsee und verarbeitet den Fang in der neuen Fischmetzgerei, die ihm Michel Péclard nach seinen Vorstellungen im Hauptgebäude des Campings eingerichtet hat. «Wir haben ein Vorkaufsrecht», sagt Péclard, weiter sei nichts festgelegt. Aber er fügt an, dass das «Fischers Fritz» einen Grossteil des Fangs kauft. «Die Fischknusperli sind der Renner.»

Glamping in Wollishofen bedeutet, bequem zu leben, mit dem Schlagen der Wellen in den Ohren, und gut zu essen im Restaurant Fischers Fritz, das einen kurzen Spaziergang vom Zelt entfernt steht. «Bevor ich den Platz übernommen habe, war das Restaurant nur für Camper, und es schloss abends um acht», erzählt Péclard. Dann weist er schwungvoll auf das Gebäude aus Holz und sagt: «Heute ist es ein Treffpunkt für alle, die es unkompliziert und gut mögen.»

Er hat das Lokal im Stil des «Shabby chic» eingerichtet, die Karte ist klein, bietet aber, was die Kunden lieben: Alleine von den Fischknusperli werden in der Küche 40 Kilogramm am Tag frittiert. Gerne bestellen die Gäste dazu Pommes frites mit Trüffeln und Parmesan. Und für die Kinder gibt es ein einmaliges Dessert: frisch gemachte blaue Zuckerwatte. Péclard sagt es und lächelt dabei zufrieden: «Am Ende bestimmen die Kinder, wo die Familie essen geht.» Er muss es wissen, Péclard ist selbst Vater.

Der Touringclub war früh dabei
Auch andere Anbieter haben den Glampingtrend erkannt, zum Beispiel der TCS. Auf den Campingplätzen des Touringclubs gibt es in der ganzen Schweiz bereits spezielle Übernachtungsmöglichkeiten. Zum Beispiel verbringt man eine schöne Nacht in einem umgebauten Zirkuswagen in Lugano. Oder man schläft am Thunersee in einer Konstruktion aus aufeinandergestapelten Röhren. Zudem stehen auf vielen Plätzen kompakte Holzhäuschen, die sogenannten Pods. Sie bieten je nachdem zwei bis vier Personen Platz, entweder mit oder ohne Kochstelle.

TCS-Pressesprecher Daniel Graf sagt: «Es besteht eine Nachfrage nach innovativen Übernachtungsmöglichkeiten.» Einerseits hatten Campinggäste danach gefragt, andererseits will der TCS damit neue Zielgruppen ansprechen. «Menschen, die sonst nicht auf dem Campingplatz übernachten», meint Graf, «oder Familien, die einmal im Zirkuswagen schlafen wollen.» Die Resonanz auf Glampingunterkünfte sei so gross, dass in naher Zukunft auf dem Campingplatz in Buochs NW eine Anlage mit diversen Angeboten gebaut wird.

Mitten in der Natur
Weiter gehts ins Wallis. Unauffällig liegen die futuristisch gebauten «Whitepods» im grünen Hang hoch über Monthey. Im Winter verstecken sie sich als weisse Halbkugeln im Schnee, in der Sommersaison sind sie mit grünem Netz überdeckt. «Wir wollen, dass sie in der Landschaft verschwinden», sagt der Leiter Emilien Sommier, der das Resort seit zwei Jahren führt.

Jede einzelne dieser Kugeln ist ein komplett ausgestattetes Hotelzimmer: mit Cheminée-Ofen, Bad mit Dusche, Doppelbett, einer breiten Fensterfront, eigener Terrasse und herrlichem Ausblick auf die Gipfel des unteren Rhonetals.

Zur Anlage gehören 15 Whitepods, ein Gemeinschafts-Chalet und das hoteleigene Restaurant. Die modernen Zelte bestehen aus einer isolierenden Thermoschicht, einer Stoffschicht und wasserdichtem PVC-Blachenmaterial. Im Winter bleibt die Wärme drin, im Sommer die Hitze draussen.

Hier befinden sich die Gäste mitten in der Natur, auf 1350 bis 1400 m ü. M. An dieser Bergflanke kann man abschalten. Oder sich aktiv entspannen beim Wandern und Spazieren. Es gibt einen Tennisplatz und Mountainbikes zum Mieten. Für Mutige bietet sich das Paragliding an – das Personal organisiert Flüge mit Guides. Wer im Winter da ist, kann auf der privaten Skipiste Les Giettes den Hang runterkurven, Langlaufen gehen, Skitouren oder gar eine Husky-Hundeschlittenfahrt buchen.

Die Gäste kommen hierher, um ein besonderes Wochenende zu verbringen. «Wir haben viele Paare, die hier einen Hochzeitstag oder Geburtstag feiern», so Sommier, «oder wo der Mann beim Aufenthalt den Heiratsantrag macht.» Familien seien aber ebenso willkommen, für sie gibt es sogar spezielle Family-Pods, in denen zwei Schlafplätze mehr untergebracht sind als bei den anderen. Die Zahl der Stammkunden ist gross: «Wer im Winter da war, will im Sommer wiederkommen, wer im Sommer kam, kommt auch im Winter zurück», sagt Sommier. Und das trotz des stolzen Preises für die Übernachtung: Im Sommer kostet eine Nacht ab 300 Franken, im Winter ab 490 Franken. Hier gilt aber auch das Motto: «Welche Wünsche die Gäste auch haben – wir machen es möglich.»

Emilien Sommier erzählt, dass sie grossen Wert darauf legen, individuelle Wünsche wie glutenfreies oder Halal-Essen zu erfüllen. «Wir sagen immer, ja, es geht, und schauen dann, wie wir es machen», meint er schmunzelnd.

Das Essen wird auf Wunsch in den Whitepod serviert. Das Frühstücksbuffet ist üppig, es hat im Gemeinschafts-Chalet eine Bar, einen Kino- und Konferenzraum mit Anschluss für iPhone und iPad, einen Massageraum und eine Sauna. Und: «Es ist jeden Nachmittag um vier Uhr Tea-Time mit frisch gebackenem Kuchen aus unserer Küche.»

Das Hotelrestaurant baut auf saisonale und regionale Küche: Die Lebensmittel stammen wenn möglich aus der Schweiz und der Region. «Je näher, desto besser», sagt der Manager. Fisch stammt aus dem nahen Genfersee, Gemüse oft aus der Gegend. Das Walliser-Plättchen ist mit Trockenfleisch bestückt, das von einem kleinen benachbarten Bauernhof stammt. Der Käse ist von einer Alp, die nur drei Kilometer entfernt liegt. Die Köche backen selbst Brot, stellen eigene Konfitüre her, und der Alphonig stammt von den eigenen Bienenstöcken. Die Menukarte wechselt drei Mal pro Saison, je nachdem, welches Gemüse und Fleisch aktuell und erhältlich sind.

Dank der einzigartigen Konstruktion kennt man die Whitepods mittlerweile auch in Übersee. Das Konzept funktioniert: Ein Stück Futurismus inmitten urchiger Alpenwelt mit Kuhglockengebimmel, Vogelgezwitscher und dem Duft wilder Wiesenblumen.

Copyright-Hinweise

Text: Daniel Stehula | Fotos: Yves Bachmann

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Reise-Highlights

1 | Camping Fischers Fritz

Seestrasse 559, 8038 Zürich

Auf dem Campingplatz Wollishofen gibt es Zelte, in denen sich die Gäste im Hotelzimmer wähnen können – aber mit Frischluft und Seegeräuschen.

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2 | TCS-Camping Lugano-Muzzano

Via alla Foce 14, 6933 Muzzano

Auf dem TCS-Campingplatz Lugano-Muzzano steht ein umgebauter Zirkuswagen bereit, in dem eine ganze Familie unterkommen kann.

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3 | Eco-Resort Whitepod

Route Les Cerniers, 1871 Les Giettes

Das Whitepod-Eco-Resort im Wallis bietet den Gästen Luxus inkl. Naturerlebnis. In den Halbkugeln findet sich genug Platz für urchige Badezimmer und gemütliche Wohnzimmer mit Panorama-Aussicht auf die Berggipfel des unteren Rhonetals.

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4 | Campingplatz Wagenhausen

Hauptstrasse 82, 8259 Wagenhausen

Für den Campingplatz Wagenhausen in Stein am Rhein angefertigte Zirkuswagen mit Doppel- und Kajütenbett, Badezimmer, Küche und WLAN.

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5 | Les Nids

Montpugin 8, 2400 Le Locle

Baumhäuser in einem Waldstück bei Le Locle mit Betten, Badezimmer, Küche und Heizofen und Terrasse.

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6 | SwissTubes

Gwattstrasse 103, 3645 Gwatt

Grosse, übereinandergeschichtete Röhren mit Kajütenbetten auf dem TCS-Campingplatz in Gwatt am Thunersee.

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7 | Camping Flims‎

Via Prau la Selva 4, 7018 Flims-Waldhaus

Verschieden grosse Holzhalbkugeln mit zwei, drei oder vier Betten, Strom, Heizung und Grill auf dem Camping Flims. Schlafsack mitbringen.

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